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Eine Chance zu sehen, ist keine Kunst. Die Kunst ist es, eine Chance als erster zu sehen.

Benjamin Franklin
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Was innovative Unternehmen anders machen.

Förster und Kreutz, die bekannten Business-Querdenker haben in Ihrem ersten Business-Backstage-Report des Jahres 2010 die meist gelesenen Beiträge aus den vergangenen 12 Monaten zusammengestellt. Beispiele von Menschen und Organisationen, die sich durch Leidenschaft, Engagement auszeichnen und den unbedingten Willen, etwas Neues und Besonderes zu schaffen.
Was diese Querdenker und Innovatoren kennzeichnet: Sie REDEN nicht nur, sie HANDELN. Das ist der Punkt.

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Die Black Swan Theory

Die „Black Swan Theory“ ist seit der Veröffentlichung des libanesisch-amerikanischen Autors und ehemaligen Aktienhändlers Nassim Nicholas Taleb 2007 in aller Munde. Im Grunde genommen ist sie jedoch weitaus älter. Schon Bertrand Russel warf 1912 in seiner Veröffentlichung „The Problems of Philosophy“ die damit zusammenhängenden Fragen auf. Dazu erzählte er die berüchtigte Geschichte des Huhns:

Ein Huhn, das jeden Tag Nahrung erhält, geht davon aus, dass es auch weiterhin jeden Tag Nahrung erhalten wird. Es festigt sich sein Glaube, dass ihm der Mensch wohlgesonnen sei. Nichts im Leben des Huhns deutet darauf hin, dass es eines Tages geschlachtet wird.

Genau das, was dem armen Huhn passiert, geschieht auch mit den Menschen des 21. Jahrhunderts: Wir halten uns an die Dinge, die wir kennen. Unsere Zukunftsplanung basiert prinzipiell auf der uns bekannten Vergangenheit. Wie Taleb schreibt: „Wir schauen in den Rückspiegel statt nach vorne.“ Und weil der Mensch dazu tendiert, sich an Bekanntem zu orientieren, ist es ihm kaum möglich, Dinge voraus zu sehen, die neu und einmalig sind. Das hat Folgen nicht nur im Hinblick auf die menschliche und gesellschaftliche Risikobereitschaft, sondern auch auf unser Geschäftsgebaren und den Erfolg von Unternehmen und Volkswirtschaften.

Schwarze Schwäne und die Finanzkrise

Bis weit ins 17. Jahrhundert nahm man an, es gebe nur weiße Schwäne. Als eine schwarze Schwan-Rasse entdeckt wurde, geriet sozusagen die Welt aus den Fugen. Nach Talebs Theorie kommen für den Menschen die größten Veränderungen oder Katastrophen genauso überraschend wie für die Naturkundler damals der schwarze Schwan. Ein viel zitiertes Beispiel für einen „schwarzen Schwan“ ist der 11. September 2001. Als die zwei Boeings ins World Trade Center krachten, war die ganze Welt schockiert. Niemand hatte damit gerechnet, dass so etwas geschehen könnte. Allerdings bekam man später, als das Ereignis analysiert wurde den Eindruck, dass es doch viele Hinweise gegeben hatte, die auf diesen Anschlag hindeuteten. Der Mensch hat versucht, sich die Sache plausibel zu erklären.
Ähnlich verhält es sich mit der Finanzkrise. Der Kollaps des amerikanischen Systems war sozusagen undenkbar, nicht vorauszusehen. Allerdings – vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, gab es anscheinend viele Indizien, die genau in diese Richtung deuteten. Doch weil es so etwas vorher in dieser Form noch nie gegeben hatte, kam niemand auf die Idee, dass es passieren könnte – und wenn, dann wäre er vermutlich ausgelacht worden.

Abweichungen zulassen

Taleb sagt ganz klar, dass man Black-Swan-Events nicht vorhersagen könne. Das verbietet sich schon per Definitionem, denn für den Autor zeichnen sich die schwarzen Schwäne dadurch aus, dass sie plötzlich passieren, enorme Auswirkungen auf die Welt, das menschliche Leben, den Lauf der Dinge oder die Entwicklung der Technik haben und meistens hinterher erklärt werden – kurz: Sie liegen außerhalb des Erwarteten. Als Beispiel beschreibt er Modelle für den Finanzmarkt. Ein simples Börsen-Modell könnte durchaus ein extremes Szenario wie den Schwarzen Montag von 1987 enthalten, aber würde vermutlich den Zusammenbruch der Aktienmärkte nach dem 11. September nicht abbilden. Ein Modell zieht das „bekannte Unbekannte“ in Betracht, aber nicht das „unbekannte Unbekannte“.

Taleb empfiehlt, sich gegen das Auftauchen von schwarzen Schwänen zu wappnen, damit zu rechnen. Gegenüber den negativen könne man dann robuster auftreten, die positiven könne man zum eigenen Vorteil nutzen.
In einem Interview schilderte Taleb an verschiedenen Beispielen, dass diejenigen, die auf die Existenz von schwarzen Schwänen aufmerksam machen, oft genug nicht ernst genommen oder ausgelacht werden. Er empfiehlt: „Es sollte nicht darum gehen, den nächsten schwarzen Schwan zu vermeiden, schließlich wissen wir nicht, wo der nächste auftauchen wird. Wir sollten uns darauf konzentrieren, welchen allgemeinen Erkenntnisgewinn wir mitnehmen können. Die wichtigste Lektion könnte sein, dass wir Leute belohnen sollten, die das Unmögliche denken, statt sie zu belächeln.“

Schwarze Schwäne für Unternehmen

Viele der größten wissenschaftlichen Entdeckungen sind ihrer Art nach schwarze Schwäne, Dinge wie der Laser, Röntgenstrahlen, der Transistor, die bis dato völlig undenkbar waren. Doch sie kamen nicht beständig, sondern unvorhersehbar, sowohl was Zeitpunkt und Häufigkeit anbetraf. Doch die schwarzen Schwäne brachten den Unternehmen weitaus mehr Profite als die weißen. Der Physiker Geoffrey West sagte: „Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf die US-Industrie einen steten Strom von grundlegenden Innovationen. Das war möglich, weil Orte wie die Bell Laboratorien eine sehr freie Innovationskultur unterstützten.“ Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen arbeiteten damals gemeinsam in einer sehr offenen Atmosphäre an allen möglichen Projekten.

Fachleute sehen jedoch die heutige Forschungs- und Unternehmenskultur genau in die andere Richtung driften. Bei den Akademikern geht es um die Menge der Veröffentlichungen und Zitate, in den Firmen um Planbarkeit und Return on Investment. Neue Ideen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Doch Forschungen, die mit einem Risiko behaftet sind, weil sie sich mit etwas völlig Neuem befassen, werden heutzutage eher mit Budgetentzug bestraft. Das Management möchte schnelle und umsetzbare Ergebnisse sehen. Die kostbare Zeit soll nicht mit „Hirngespinsten“ verschwendet werden, sondern mit handfester Entwicklung.

Niemand verlangt von einem Unternehmer, Geld mit vollen Händen für Grundlagenforschung auszugeben, ohne zu wissen, ob letztlich der große Wurf gelingen wird. Allerdings sollte jedes Unternehmen darauf achten, eine Kultur zu entwickeln, die Unabhängigkeit und Querdenken fördert, ja sogar fordert. Werden der best und der worst Case simuliert, kann es durchaus inspirierend sein, auch darüber einmal hinauszudenken. Hätte die Autoindustrie das vor zwei Jahren getan, wäre sie wahrscheinlich der Krise nicht ganz so hilflos gegenüber gestanden.